Das Team im TrostReich

Vorstand im Verein TrostReich

Die Interviews führte Roswitha Althoff.
Roswitha ist im Verein verantwortlich für die Pressearbeit.

Ein paar Fragen an Antje Möhrmann

Neben Deiner Selbstständigkeit bist Du ehrenamtliches Vorstandsmitglied im Verein TrostReich-Oldenburger Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche. Wie umfangreich darf man sich Deine Arbeit für den Verein vorstellen?…und welcher zeitliche Aufwand ist damit für Dich verbunden?
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Sagen wir mal so…
die ehrenamtliche Vorstandsarbeit wäre in einem Angestelltenverhältnis nicht möglich. Ich arbeite für den Verein im Laufe eines Arbeitstages immer wieder und unregelmäßig – sei es, dass ich Emails beantworte, Telefonate führe oder Unterlagen für verschiedene Anlässe und Adressaten vorbereite. Insgesamt sind das geschätzte 40 Stunden, die im Monat für den Verein anfallen. Ich bin für verschiedene Bereiche zuständig, wie beispielsweise Öffentlichkeitsarbeit und Personal, und arbeite auch sehr eng mit Wilhelm, unserem Schatzmeister, im Bereich Buchführung und Jahresabschluss zusammen. ….

Ein paar Fragen an Hille Ballin

Hille, Du bist ehrenamtliches Vorstandsmitglied und präsentierst den Verein TrostReich-Oldenburger Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche e.V. in der Öffentlichkeit. Wie darf man es sich vorstellen?

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Zuerst einmal sind wir alle, der Vorstand, das pädagogische Team sowie alle Ehrenamtlichen aus den verschiedenen Bereichen in der Öffentlichkeit präsent. Meine Aktivitäten liegen allerdings überwiegend im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Planung. Im Besonderen ist es meine Aufgabe, Verbindungen zu den unterschiedlichen Gremien in Wirtschaft und Politik zu knüpfen, den Kontakt zu unseren Botschaftern zu halten, ihnen für Fragen zum Verein zur Seite zu stehen und diese Verbindungen zu pflegen.

Ein paar Fragen an Wilhelm Arndt

Wilhelm, viele Jahre hast Du trauernde Kinder und Jugendliche ehrenamtlich, in den Kindergruppen, 14-täglich nachmittags, begleitet. Wie kann man sich diese Begleitung vorstellen? Gab es im Zusammensein mit den Kindern Augenblicke, die Dich nachdenklich stimmten? Wie bist Du damit im Nachhinein umgegangen?
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Für mich war die Begleitung der Kinder intensiv, herausfordernd und immer wieder anders. Mir war immer wichtig, dass die von mir begleitenden Kinder meine ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen. In dem Zusammensein mit den Kindern gab es viele Augenblicke, die mich nachdenklich gestimmt und mich im Nachhinein beschäftigt haben. Wenn Redebedarf bestand habe ich mich mit der Gruppenleitung oder mit einer Kollegin/einem Kollegen darüber ausgetauscht.


Das Team im TrostReich

Martina Wulf, Leiterin des pädagogischenTeams und Gruppenleiterin der Kinder- und Jugendgruppe, stellt sich vor.

Mein Weg, meine Werte, meine Leidenschaften

Prägend war meine junge Erwachsenenzeit, in der ich mich, mit meinem Mann und unseren drei Kindern, auf der Suche nach fairen, ökologischen, für Kinder und Erwachsene entwicklungsfördernden Lebensbedingungen einem Gemeinschaftsprojekt anschloss. Wir wurden Pioniere und Mitbegründer des Ökodorfes Sieben Linden in der Altmark. Konsequente Folge war, auch für die Ausbildung und Begleitung unserer Kinder Bedingungen zu schaffen, bei denen sie ihre Potenziale frei und zwanglos entfalten konnten. Wir gründeten die freie Schule Altmark und damit begann für mich eine Reise in eine neue Lebenshaltung, die sich fortan durch mein berufliches und privates Leben zieht.

Mein beruflicher Hintergrund
Als Sozialpädagogin, systemische Familientherapeutin und Mediatorin bin ich viele Jahre beratend und begleitend tätig.
Ich arbeitete in folgenden Bereichen:
Bezugsbetreuung und Elternberatung in einer Mädchenwohngemeinschaft
Sozialpädagogische Familienhilfe
Mediation in der Familie
Aufsuchende Familientherapie
Familienkrisendienst
Kinderschutztelefon
Entwicklung eines Begleitprogrammes für Kinder suchtkranker Eltern „Koffer starker Kinder“

Ein paar Fragen an Roswitha Althoff- zuständig für die Pressearbeit im Verein und Ehrenamtliche in den Kindergruppen

Interview von Hans Begerow (Leitung Politik/Region NWZ) mit Roswitha Althoff, ehrenamtliche Mitarbeiterin und verantwortlich für Pressearbeit- Nordwest-Zeitung vom 04.12.2018

Der Oldenburger Verein besteht seit einem Jahr. Das Angebot zur Trauerbegleitung richtet sich auch an betroffene Kinder und Jugendliche aus der Region.

Frage: Worin besteht die Aufgabe des Vereins Trostreich?
Trostreich begleitet Kinder und Jugendliche in ihrem Trauerprozess, wenn sie eine nahestehende Person verloren haben. Das kann ein Eltern- oder Großelternteil sein, aber auch Schwester, Bruder oder ein Freund.
Frage: Wie muss sich das vorstellen? Und wie viele Kinder nehmen das wahr?
Die Kinder besuchen uns 14-tägig nachmittags. Die Kinder sind im Alter zwischen drei und zwölf Jahren. Und es gibt drei Kindergruppen mit einer Kapazität von insgesamt 45 Kindern sowie eine Jugendgruppe für zehn Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren. Die Jugendlichen dürfen einen Freund oder eine Freundin mitbringen.
Frage: Wer betreut die Kinder?
Die Jugendgruppe wird von einer Sozialpädagogin betreut, sie ist eine ausgebildete Trauerbegleiterin in diesem Bereich. Die Kindergruppen werden jeweils von einer pädagogischen Fachkraft geleitet und von Ehrenamtlichen unterstützt. Wir streben eine 2:1-Betreuung an, in manchen Fällen, zum Beispiel bei Entwicklungsverzögerungen der Kinder, gibt es auch eine 1:1-Betreuung.
Frage: Wie lange sind Sie schon tätig?
Ich persönlich bin seit zwölf Jahren in diesem Bereich tätig, den Verein Trostreich – Oldenburger Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche e.V. gibt es seit einem Jahr. Wir haben in Oldenburg guten Zuspruch bekommen, auch von Firmen, die uns in dieser Zeit mit Sach- oder Geldspenden unterstützt haben, und das ist sehr erfreulich.

Ein paar Fragen an Sylvia Hauser- Gruppenleiterin der Kindergruppen im Verein und Ehrenamtliche in den Planungsgruppe für Öffentlichkeitsarbeit

Sylvia: Du leitest 14-täglich, nachmittags, eine Kindertrauergruppe im Verein TrostReich. Was macht diese Arbeit so besonders für Dich?

Die Offenheit und Unbefangenheit der Kinder im Umgang mit Tod und Trauer zu erleben und dann auch zu erfahren,  mit welch großer Weisheit und Stärke sie ihren eigenen Weg gehen.

Wenn die Kinder in der Gruppe erfahren, dass andere Kinder auch einen Verlust erlitten haben, fällt es ihnen häufig sehr viel leichter, offen über ihre Gefühle zu sprechen. Oder dann eben auch die Gefühle vielfältiger und kreativer Weise zu zeigen und auszuleben.

Und gerade auch weil sie wissen, dass sie in einem geschützten Rahmen sind, sind sie immer bereit, sich spontan auszudrücken, zu lachen, zu toben und auch Wut und Ärger zu zeigen.

Beeindruckend empfinde ich auch den häufig sehr vorsichtigen und behutsamen Umgang der Kinder miteinander. Sie haben ein feines Gespür füreinander und wissen gut, was sie in genau diesen Momenten brauchen.

Wir haben in den Gruppen Kinder von 4 bis 12 Jahren und es ist berührend zu sehen, wie behutsam auch mit den Kleinen umgegangen wird.

Auch für mich selbst lerne ich im Zusammensein mit den Kindern natürlich so viel. Ich hoffe den Kindern das zurückgeben zu können, indem ich sie auf ihrem ganz eigenen Weg ein Stück begleiten darf.

Ein paar Fragen an Carolin de Witt- Mitarbeiterin im pädagogischen Team und Ehrenamtliche in der Planungsgruppe für Öffentlichkeitsarbeit

Carolin, Du bist ausgebildete Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche, wie bist Du darauf gekommen?

Meine ersten Berührungen mit Abschied, Tod und Trauer hatte ich als junge Kinderkrankenschwester, wo mir meine Ängste, meine Unsicherheit und Antwortlosigkeit dazu bewusstwurden. Ich machte mich auf meinen persönlichen Weg … , der mir dann später bei sehr nahen eigenen Todesfällen eine gute Stütze war. Von ohnmächtigem Schmerz über Wut aber auch dankbarer Erleichterung durchlebte ich bei unterschiedlichen Abschieden meine Gefühle.
Und … dass das Leben danach anders ist, und auch wieder schön.

Diese Erfahrungen darf ich seit vielen Jahren in die Trauerbegleitung von Kindern und Jugendlichen einfließen lassen. Eine große Bereicherung auch weiterhin für mich. An unserem Vereins-Infostand auf Veranstaltungen, bei Spendenaktionen zugunsten TrostReich, Vorträgen oder Schulungen von Ehrenamtlichen berichte ich gern davon, wie gut es tut, nicht allein mit seiner Trauer zu sein. Und dass Kinder anders trauern als Erwachsene.
Ich bin glücklich, mit meinem ehrenamtlichen Engagement für unseren Verein, einen kleinen Beitrag zum Umgang und besseren Verständnis bei diesen schmerzlichen Erfahrungen leisten zu dürfen.
Denn … der Tod gehört zum Leben.

Angela Klever- Mitarbeiterin im pädagogischen Team

Nach Beendigung meiner Beratungsarbeit hatte ich den Wunsch, einen Teil meiner frei gewordenen Zeit zu verschenken.
So lag es für mich nahe, meine Erfahrungen aus der Hospizarbeit -ich hatte u.a. ehrenamtlich tätige Hospizmitarbeiter ausgebildet- bei TrostReich einzubringen.
Aus meinem Freundeskreis wird mir häufig die Frage gestellt: „wieso machst Du so eine traurige Arbeit?“.
Meine Antwort: „das Zusammensein mit den Kindern und Jugendlichen ist für mich eine belebende Erfahrung. Die Kinder genießen, trotz ihrer Trauer, in dieser ausgenommenen Zeit durch Stille und beim Basteln, Lesen, Erzählen, Spielen, Lachen und Toben ihre Lebendigkeit und Energie. Das steckt an und so entsteht ein liebevolles Miteinander.
Ich erlebe den Zusammenhalt der ehrenamtlichen Mitarbeiter als wohltuend. Es ergeben sich gute Gespräche und ein fürsorgliches Miteinander.
Ich habe den Entschluß, bei TrostReich mitzuarbeiten, nicht bereut.
Angela Klever

Ein paar Fragen an Lisa Beyer- Ehrenamtliche in der Kindergruppe

Lisa, seit vielen Jahren begleitest Du Kinder und Jugendliche, die einen geliebten Menschen verloren haben, ehrenamtlich auf ihrem Trauerweg. Wie bist Du zu dieser Arbeit gekommen?

2006 zeigte mir eine Freundin einen Flyer von „Trauerland“. Der Bremer Verein plante damals, erstmals auch in Oldenburg Kinder- und Jugendgruppen anzubieten und lud zu einem Informationsabend über deren Trauerarbeit ein. Meine Freundin und ich haben im frühen Jugendalter beide unsere Väter durch einen überraschenden Tod verloren und sind daher im Besonderen sofort von der Arbeit von Trauerland und deren Angebote für Kinder und Jugendliche begeistert gewesen. Wir besuchten eine Ehrenamtsschulung und starteten im Januar 2007 unsere ehrenamtliche Arbeit in den ersten beiden Kindergruppen, die in Oldenburg angeboten worden sind. Aus diesen entwickelte sich unser heutiger Verein TrostReich.

Ein paar Fragen an Maria Keller- Ehrenamtliche in den Kindergruppen und in der Jugendgruppe

Maria, im TrostReich begleitest Du ehrenamtlich Kinder und Jugendliche, die einen nahestehenden Menschen durch Tod verloren haben, in ihrem Trauerprozess. Was macht die Arbeit mit den Kindern so besonders für Dich?
Kinder sind häufig spontaner im Verhalten, das verlangt Geduld und wertfreien Umgang mit eventuellen Äußerungen, die durchaus befremdlich wirken können! Erstaunlich ist für mich immer wieder, wie schnell sich Stimmungen ändern – traurig – wütend – lustig, Kinder drücken Trauer durchaus auch in Aggression aus.

Die monatlichen Treffen der Jugendlichen begleitest Du ebenfalls. Welchen Unterschied gibt es in der Begleitung von trauernden  Kindern zur Begleitung von trauernden Jugendlichen?
Überraschend ist für mich, wie schnell sich Jugendliche in der Gruppe akzeptieren, und erstaunlich – wie offen fast alle nach kurzer kennen lern Phase über ihre Trauer sprechen können, und ebenfalls kommt es nicht selten vor, dass auch – Wut – Enttäuschung – Einsamkeit zur Traurigkeit gehören.

Kann man sagen, dass Dein Ehrenamt für Dich eine Herzensangelegenheit ist?
Für mich ist diese Arbeit eine Herzensangelegenheit. Berührungsängste mit Tod und Trauer habe ich nicht, dieses Ehrenamt bereichert mein Leben immer wieder aufs Neue!

Maria, Du bist in einem weiteren Ehrenamt sehr engagiert. Magst Du davon erzählen?
Seit mehr als 20 Jahren begleite ich junge Mädchen und Frauen, die meistens aus einer muslimischen Kultur kommen – sie haben die Familie auf unterschiedliche Weise verlassen, meistens ist Fluchthilfe und Aufnahme in meiner Familie nötig, für kurze oder längere Zeit! Der Hintergrund der Flucht , ist fast ausschließlich das Entkommen der Zwangsheirat – das Recht auf persönliche Freiheit wird nicht akzeptiert. Diese Art von Hilfe – bedarf Mut, Geduld, Einfühlung und beinhaltet oft schlaflose Nächte! Der Kontakt zu den Hilfesuchenden wird in unserem Fall schon viele Jahre aufrechterhalten!

Ein paar Fragen an Marion Raetz- zuständig für die Adminstration und die Homepage – Ehrenamtliche in den Kindergruppen

Marion, Du begleitest in den Kindertrauergruppen ehrenamtlich Kinder, die einen nahestehenden Menschen durch Tod verloren haben. Was bedeutet das für Dich? Gibt es Momente, die Dich besonders berührt haben?

Die Zeit, die ich in der Kindergruppe verbringen kann, ist reine Herzenszeit. Das ist die Zeit, in der wir auf besondere Art und Weise füreinander da sind. Kindern und Jugendlichen, die einen geliebten Menschen verloren haben, möchte ich das Gefühl geben, dass sie mit ihren Fragen, Ängsten und Problemen willkommen sind und nicht allein. Wenn ein Kind sich zaghaft zu seiner Lebensgeschichte bekennt, ist das ein Geschenk für unser Engagement und zeigt uns oft, wie unterschiedlich die Trauer für jeden Einzelnen ist.