Großer Zuspruch ermutigt Ehrenamtliche

Artikel aus der Nordwest-Zeitung vom 04.12.2018
Interview von Hans Begerow (Leitung Politik/Region NWZ) mit Roswitha Althoff, ehrenamtliche Mitarbeiterin und verantwortlich für Pressearbeit

„Der Oldenburger Verein besteht seit einem Jahr. Das Angebot zur Trauerbegleitung richtet sich auch an betroffene Kinder und Jugendliche aus der Region.

Roswitha Althoff, ehrenamtliche Mitarbeiterin und verantwortlich für Pressearbeit

Frage: Worin besteht die Aufgabe des Vereins Trostreich?

Althoff: Trostreich begleitet Kinder und Jugendliche in ihrem Trauerprozess, wenn sie eine nahestehende Person verloren haben. Das kann ein Eltern- oder Großelternteil sein, aber auch Schwester, Bruder oder ein Freund.

Frage: Wie muss sich das vorstellen? Und wie viele Kinder nehmen das wahr?

Althoff: Die Kinder besuchen uns 14-tägig nachmittags. Die Kinder sind im Alter zwischen drei und zwölf Jahren. Und es gibt dreiKindergruppen mit einer Kapazität von insgesamt 45 Kindern sowie eine Jugendgruppe für zehn Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren. Die Jugendlichen dürfen einen Freund oder eine Freundin mitbringen.

Frage: Wer betreut die Kinder?

Althoff: Die Jugendgruppe wird von einer Sozialpädagogin betreut, sie ist eine ausgebildete Trauerbegleiterin in diesem Bereich. Die Kindergruppen werden jeweils von einer pädagogischen Fachkraft geleitet und von Ehrenamtlichen unterstützt. Wir streben eine 2:1-Betreuung an, in manchen Fällen, zum Beispiel bei Entwicklungsverzögerungen der Kinder, gibt es auch eine 1:1-Betreuung.

Frage: Wie lange sind Sie schon tätig?

Althoff: Ich persönlich bin seit zwölf Jahren in diesem Bereich tätig, den Verein Trostreich – Oldenburger Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche e.V. gibt es seit einem Jahr. Wir haben in Oldenburg guten Zuspruch bekommen, auch von Firmen, die uns in dieser Zeit mit Sach- oder Geldspenden unterstützt haben, und das ist sehr erfreulich.

Frage: Und die Eltern?

Althoff: Die Kinder werden von einem Elternteil oder einer Person ihres Vertrauens ins Trostreich begleitet. Die Begleitpersonen treffensich in einem separaten Raum zum gemeinsamen Austausch, während die Kinder „spielen“. Wir sind nicht therapeutisch tätig. Kinder, die erzählen wollen, wählen vielleicht ein Spiel. Kinder, die Wut haben, dürfen auch boxen oder kickern. Wir stellen keine Fragen an die Kinder und bewerten nicht, wir reflektieren: Erwähnt ein Kind das Fußballspiel mit seinem Vater, sagen wir: Du hast mit deinem Papa Fußball gespielt. Wir „erinnern“ die Kinder mit wiederholten Ritualen daran, warum sie da sind, und helfen ihnen, die verstorbene Person ins eigene Leben zu integrieren.

Frage: Gibt es Trostreich auch außerhalb von Oldenburg?

Althoff: Nein, aber wir bieten unsere Hilfe allen Eltern in der Region an. Sie nehmen gern die Fahrt nach Oldenburg auf sich, weil wir in Oldenburg die Räume haben, in denen wir den Kindern einen geschützten Rahmen geben können. Außerdem bieten wir auch unsere Beratung für Schulen an. Auch dort kann eine Zusammenarbeit sehr wichtig sein.“